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Trödelt ihr Hund auch beim Spazieren?

Wenn ich diese Frage höre, stelle ich mir immer wieder dieselbe Gegenfrage: Wer interpretiert die Aktion des Hundes als trödeln? Der Hund sicherlich nicht.

 

Der Hund geht seiner Lieblingsbeschäftigung nach und schnüffelt an allem herum, was seine Nase finden kann. Es ist schlicht und einfach seine Art, seine Umgebung wahrzunehmen und zu lernen.

Schnüffeln ist eine sehr anstrengende und Aufmerksamkeit verlangende Tätigkeit. Das Gehirn des Hundes wird dabei stark beansprucht.

 

Er nimmt sich Zeit, um alles genau zu erkennen und zu verstehen. Hunde verständigen sich über Gerüche. Wenn sie pinkeln, dann erkennen die anderen Hunde nicht nur, wer das war, sondern sie übermitteln sich über die Gerüche Nachrichten. Das ist so, als würden wir jemanden eine Notiz schreiben, damit der Adressat sie dann findet.

Manchmal sind viele Nachrichten auf einem Haufen und der eine gibt dem anderen Hund Antwort. Dann braucht man nun mal mehr Zeit, um alle Nachrichten zu lesen und darauf zu antworten. Und manchmal weiß man nicht genau, wie man die Antwort formulieren soll. Vielleicht haben sie auch schon einmal Ihren Hund in einem solchen Moment beobachtet, als er nicht genau wusste, wie und wo er das Bein heben oder - im Falle eines Weibchens - wie sie sich hinsetzen sollte.

 

Stellen Sie sich einmal folgende Fragen: Wieso gehen Sie mit Ihrem Hund spazieren und wem gehört die Zeit des Spaziergangs?

 

Ich kann diese Fragen nicht für Sie beantworten. Allerdings kann ich sagen, wie ich persönlich dazu stehe.

 

Also ich gehe mit meine Hunden spazieren, damit sie eine gute Zeit haben und es ist definitiv ihre Zeit. Für mich heißt das, dass meine Hunde so lange trödeln dürfen wie sie wollen. Sie dürfen minutenlang an einem Ort herumschnüffeln und sie geben grundsätzlich das Tempo an, in dem wir uns fortbewegen. Wieso ich das so mache?

 

Die Antwort ist ganz einfach. Den ganzen lieben langen Tag müssen sich meine Hunde an mich anpassen. Ist es da nicht mehr als fair, dass sie auch eine Zeit für sich haben? Eine Zeit, in der ich mich ihnen anpasse, damit sie sich in aller Ruhe über fremde Gerüche weiterbilden können.

Sie wollen schließlich auch nicht beim Zeitung Lesen gestört werden! Für meine Hunde ist dies eine Zeit, in der sie die Nachrichten von Kollegen, die sie vielleicht nur über Gerüche kennen, erschnüffeln können. Eine Zeit, in der sie das Tempo angeben dürfen und den Augenblick genießen können. Wenn ich mit meinen drei Hunden gleichzeitig unterwegs bin, geht es definitiv langsamer vorwärts, als wenn ich mit jedem einzeln gehe. Da kann es schon sein, dass ich für eine Strecke von 100 Metern 5-10 Minuten brauche.

Dass meine Hunde trödeln, heißt nicht, dass meine Hunde nicht kommen, wenn ich sie rufe. Sie kommen sogar sehr schnell. Denn sie wissen, dass es wirklich wichtig ist, wenn ich sie rufe. Wir haben auch zwei Abrufarten. Die eine benutze ich, wenn ich ungeduldig werde und langsam weiter möchte. Da kommen sie dann auch entsprechend gemütlich daher. Die andere wende ich an, wenn sie sofort kommen müssen. Und dann stehen sie auch ruckzuck an meiner Seite.

Wenn wir in solchen Momenten aus irgendeinem Grund zügig weiter müssen, gibt es auch keine Widerrede. Allerdings kommt es äußerst selten vor, dass wir uns unseren Spaziergang durch Stress verderben lassen. Ich nehme mir generell die notwendige Zeit für die Hunde und lasse die Tiere bis zu einem gewissen Grad den Fährten folgen, die sie erforschen wollen, ohne jedoch komplett von meinem geplanten Weg abzuweichen. Wenn die Zeit um ist, gehen wir nach Hause. Die Hunde sind glücklich und zufrieden, dass sie alle für sie wichtigen Nachrichten lesen und auch darauf antworten konnten. Und ich muss wahrscheinlich zusätzlich eine Runde Sport einlegen, da mein Spaziergang nicht so ablief, als dass man ihn als sportliche Betätigung verbuchen könnte.

 

Es ist auch wirklich wichtig, dass nicht immer der gleiche Spaziergang gemacht wird und man verschiedene Routen mit den Hunden einschlägt, da ein und derselbe Weg irgendwann langweilig wird. Denn schließlich gibt es da kaum neue Gerüche zu entdecken - und das finden Hunde öde. Sie wollen auch nicht jeden Tag die gleiche Zeitung, oder?

 

Dennoch ist es ebenfalls wichtig an Orte zurückzugehen, an denen man vor ein paar Tagen schon einmal war, da andere Hunde in der Zwischenzeit eventuell auf die Nachrichten Ihrer Hunde geantwortet haben. Sie werden schon bemerkt haben, dass Ihre Hunde oft zielstrebig die gleichen Orte einer bestimmten Route ansteuern. Dort haben sie meist ihre Nachricht hinterlassen und wollen nun  nachschauen, ob jemand geantwortet hat. Sie schauen sicherlich auch einmal täglich nach, ob Sie eine E-Mail oder Post erhalten haben und freuen sich, wenn dem so ist. Ihrem Hund geht es ähnlich. Beobachten Sie einmal ihren Hund in Bezug auf dieses Verhalten - falls Sie es noch nicht getan haben - und sie werden erstaunt sein.

 

Trödelt Ihr Hund während des Spaziergangs? Ich hoffe doch sehr! Denn das heißt, dass er ihn genießt. Ich hoffe auch, dass Sie ihm diese Freiheit lassen und ihm die Zeit geben, die er braucht, um seine Lebensart ausleben zu können.

 

Trödelt Ihr Hund nicht? Schnüffelt er nicht herum? Dann bringen Sie es ihm bei. Schnüffeln ist ein wichtiger Bestandteil seiner Entwicklung und trägt zu seinem Wohlbefinden bei. Bleiben Sie stehen, setzen Sie sich auf eine Bank und gehen Sie es gemütlich an. Animieren Sie Ihren Hund zum Schnüffeln, indem sie ihn dazu auffordern.

 

Ich erinnere mich an eine Situation, in der ich mit einer Kursteilnehmerin spazieren war, die ihren Hund dabei hatte. Ihr Hund ist auf dem ganzen Spaziergang nur gerannt. Also sind wir stehengeblieben. Der Hund kam zurück und war völlig verdutzt, dass wir nur dastanden. Während meine Hunde in der Gegend rumgeschnüffelt haben was das Zeug hielt, stand der andere völlig hilflos da und schaute uns an.

Dann habe ich auf meine Hunde gezeigt und ihn aufgefordert, sich zu ihnen zu gesellen, um  zu schauen, was die da wohl zu schnüffeln hatten.

Nach einer kurzen Überlegung - man konnte es dem Hund tatsächlich ansehen, dass er am Überlegen war, ob er jetzt wirklich auch da hinsollte - lief er schließlich zu den anderen und hat mitgeschnüffelt. Sofort war der Spaziergang entspannter und der Hund hörte mit seiner Rennerei auf und beschäftigte sich mit Schnüffeln. Solche Situationen habe ich mehr als einmal erlebt. Man spürt förmlich wie der Stress vom Hund abfällt, sobald er zu schnüffeln beginnt.

 

Wenn Sie übrigens mehr über die Herkunft des Spazierens erfahren möchten, empfehle ich Ihnen die ausführliche Erklärung auf Wikipedia zu lesen unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Spazieren

Diesen Eintrag müssen trödelnde Hunde wohl auch gelesen haben … Oder aber es ist einfach - und das ist wesentlich wahrscheinlicher - ihr purer Instinkt, der sie zum Genießen des Lebens anleitet.

 

Ich wünsche Ihnen eine freudvolle Zeit voller genüsslicher Spaziergänge mit Ihrem Hund. 

 

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